Allgemein

Überleg mal

Freitag, 15 Januar 2021

Überleg mal

Heute haben Vereine, Parteien und Kirchen immer weniger Nachwuchs. Das gibt Anlass zur Sorge. Ohne Zuwachs keine Zukunft. Bei manchen Gruppierungen wäre das nicht unbedingt ein Nachteil. Für die Kirche aber schon. Denn Christen glauben, dass die Kirche den Menschen etwas, nein: Jemand (!) zu geben hat.

Nur: Wie gewinnt man Multiplikatoren? Die Antwort ist im Grunde einfach: Indem junge Leute für Christus gewonnen werden. Aber wie kommt man an sie heran? Durch Angebote? Davon gibt es inzwischen so viel, dass man nicht weiß, wo zuerst hinklicken: Online-Impulse, und -Gottesdienste, Podcasts, YouTube und Instagram. Trotz der Fülle tut sich in punkto Glaube und neue Christen wenig.

Vielleicht kann man vom Evangelium des kommenden Sonntags lernen, wie es gehen kann. Zunächst ist da einer, der sensibel ist und genau hinschaut: Johannes der Täufer. Er erkennt die Einmaligkeit Jesu und spricht es aus: Seht, das „Lamm Gottes“! Zwei seiner Jünger – einer ist Andreas – trifft dieses Wort. Sie zeigen sich interessiert und gehen Jeus nach. Bleiben sogar den ganzen Tag dort und fangen Feuer. Es dauert nicht lange und Petrus, der Bruder von Andreas, ist dabei.

Bescheidener Anfang mit großem Ausgang: es entsteht die Gruppe der Zwölf, dann die der Zweiundsiebzig und am Ende die weltweite Glaubensgemeinschaft. Man sieht: die Kirche entsteht aus der Beziehung und ist Beziehung. Sie wächst oder schrumpft in dem Maß als Leute an dieser Beziehung arbeiten. Die Mitte ist selbstverständlich Jesus Christus. Auf ihn muss mich jemand aufmerksam machen. Vorausgesetzt, er/sie ‚brennt‘ selbst. Denn nicht Information, sondern Begeisterung ist entscheidend: „Die Sache Jesu braucht Begeisterte“, hat man mal gesungen.

Das Ganze hat freilich einen Haken: es ist graue Theorie. Wenn sie praktisch werden soll, müsste ich bei mir anfangen. Das ist aber das Problem… Oder kennst du jemand (außer dem Kaplan vielleicht), der mit Jesus ‚wuchert‘, auf ihn mit Herzblut aufmerksam macht? Du bist jung! Junge Menschen können Gleichaltrige, Kommilitoninnen und Kommilitonen, begeistern und gewinnen. Das ist die Chance. Überleg mal, wo es an Dir liegt, für die Zukunft des Glaubens und mit ihm für die Gesellschaft etwas zu tun. Religion ist alles andere als Privatsache.

P. J. Gregur

Werde Licht

Donnerstag, 24 Dezember 2020

Werde Licht

 Mache dich auf und werde Licht:

 

Geh zum Kind und lass dich anstecken – von seiner Anmut.

 Geh zu Jesus und lass deine Dunkelheiten bescheinen – von seinem Licht.

 Geh zu Christus und lass dich berühren – von seiner Gnade (der göttlichen Herrlichkeit)

 Geh zu Gottessohn und lass dich ein-beziehen – ins Leben des dreieinigen Gottes.

  Geh zu IHM und lass dich ‚aufklären‘, um zu strahlen wie er – damit es in unserer Welt ein wenig lichter wird.

 

Gesegnete Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr!

Wünscht euch im Namen der Haupt- und Ehrenamtlichen der KHG

 P. J. Gregur

 

Der Engel des Herrn

Freitag, 18 Dezember 2020

Der Engel des Herrn

„Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“ – wie geht der Satz weiter? Kennst du dieses Gebet noch, vielleicht von der Oma daheim? Früher wurde es täglich dreimal gebetet, beim Morgen-, Mittag- und Abendläuten. Es ist richtig schade, dass es verschwindet. Denn es ist die Erinnerung daran, dass das „Wort Fleisch geworden“ ist. Gott wird Mensch! Über diesen göttlichen ‚Wahnsinn‘ hätten sich die antiken Griechen nur amüsiert. Dass Götter sich in alles Mögliche verwandeln können, der Zeus z. B. in den Stier bei der Entführung Europas, das kannten sie auch. Aber dass ein Unsterblicher sich erniedrigt, um mit allen Nachteilen der Sterblichen Mensch zu werden, das wäre für sie doch ein Nonsens gewesen.

Die Menschwerdung ist tatsächlich etwas Unglaubliches und wir sollten den Zweiflern ihre Schwierigkeiten damit nicht verdenken. Wir sollten sie eventuell nur darauf aufmerksam machen, dass wir nicht einem Mythos auf den Leim gehen; dass wir an Weihnachten vielmehr den „wunderbaren Tausch“ bedenken, in dem Jesus das Defizit unserer Liebesunfähigkeit Gott und den Menschen gegenüber ausgleicht. Er wird Mensch, damit wir ‚göttlich‘ werden. Nicht nur wir, auch Gott will vollkommen geliebt werden. Nur geht das leider nicht. Nicht weil wir böse, sondern schlicht, weil wir begrenzt sind. Das ist, was Erbsünde genannt wird: lieben sollen und nicht können. In Jesu Hingabe, einem von uns und gleichzeitig einem für uns, wird Gott vollkommen geliebt und unsere gegenseitige Liebe bzw. Ethik begründet. An Weihnachten feiern wir in Jesus quasi die genetische Gesundung der an Liebesmangel kränkelnden Schöpfung.

Grund genug, dass unsere Glocken davon dreimal am Tag künden. „Und sie empfing vom Heiligen Geist“, heißt es an der genannten stelle weiter. Maria empfängt den Gottessohn im Namen der Menschheit. Ich hab noch das Bild der marienfrommen Bauern vor Augen wie sie beim Mittagsläuten ihre Kopfbedeckung abnehmen, die Hacke zur Seite legen oder, sich darauf stützend, gemeinsam zum Angelus anheben. Beim Schlüsselsatz „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ klopften sie an die Brust als sollte es heißen: Wirklich, es mangelt uns an Liebe.

Die Menschwerdung ist zusammen mit der Auferstehung einer der Eckpunkte christlichen Glaubens. Dieser Glaube braucht Anregung und Nahrung. Das ist der Sinn des Mittags- und Abendläutens. In Istanbul habe ich erlebt, wie Muslime in großer Zahl auf den Muezzinruf hin zum Mittagsgebet in die Moschee eilen. Die Engelsbotschaft an Maria vom kommenden Sonntag ist vielleicht ein Wink, jetzt in der Zielgerade des Advents, auch unsere Gebetstradition neu zu entdecken. „Der ‚Engel des Herrn‘ ist eine bewährte Weise, den Tag zu heiligen“, sagt das „Gotteslob“. Dort ist der „Angelus“ auf Seite 36 (Nr. 3,6) zu finden.

P. J. Gregur

Lebendiger Adentskalender

Dienstag, 01 Dezember 2020

Lebendiger Adentskalender

In diesem Jahr öffnen wir jeden Tag im Advent ein Türchen mit Beiträgen von Studierenden und Lehrenden der Augsburger Hochschulen und Personen aus Kirche und Stadt.

zur Playlist auf Youtube

 

Beten für den Klimaschutz?

Freitag, 20 November 2020

Beten für den Klimaschutz?

Diese Frage beantwortet Pastoralreferent Dennis Nguyen diese Woche in einem Podcast-Video.

Licht bezeugen

Freitag, 11 Dezember 2020

Licht bezeugen

Licht ist ein unerschöpfliches Thema. Du könntest mehrere Doktorarbeiten darüber schreiben: Licht physikalisch, Licht kosmisch, Licht in der Kunst, Licht metaphorisch, Licht in den Religionen, und und und.[1] Die vielen adventlichen Lichterketten, in den Fenstern, an den Straßen, sie zeigen unsere Affinität für das Licht. Was Wunder, Licht ist ja lebenswichtig. Ohne Licht gäbe es uns nicht. Diese vielen Lichter, die jetzt überall funkeln und glitzern, die Adventskränze und Christbäume, die wir anzünden, sind sie nicht ein Schimmer der Sehnsucht nach dem ‚wahren Licht‘?

Als Christ/in kannst du über Jesus Christus als Licht nachdenken. Er selbst nennt sich Licht: „Ich bin das Licht der Welt“. Auf dem Berg Tabor wird er verklärt und schwebt im Licht. Seine Auferstehung ist ein Lichtereignis, darum die Osterkerze. Zu Weihnachten ist er Licht für das Volk, „das im Finstern wandelt“. Um das Licht des Glaubens wird in der Liturgie gebetet. Jesus gebraucht die Licht als Metapher der Verkündigung: Eine Lampe zündet man nicht an, um sie anschließend unter den Scheffel zu stellen.

Damit bin ich schon bei dem, was von Johannes dem Täufer am kommenden Sonntag gesagt wird: „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht“ (Joh 1,7f).

Im Lateinischen gibt es zwei Wörter für das Licht: lux und lumen. In gewisser Weise sind sie Synonyme, beide können Folge und Wirkung einer Lichtquelle sein. Im religiösen Zusammenhang aber ist lumen so etwas wie Beleuchtet-werden, wie der Mond im Vergleich zur Sonne. Den Christen ist Jesus lux mundi, die eigentliche Lichtquelle, „Sonne der Gerechtigkeit“. Johannes ist also bloß lumen: der Angestrahlte und nur als solcher eine Lichtgestalt.

Und dadurch gleichzeitig ein Zeuge des Lichts.

Jede/r  steht in irgendeinem Licht, manche im Rampenlicht. Auf der Schattenseite des Lebens ist ja nicht gut sein. Sag mir in welchem Licht du stehst und ich sage dir, wo deine Schattenseiten sind. Von allen Seiten werden wir illuminiert (aufgeklärt): von Idolen und Ideologien, von Weltanschauungen und Parteiprogrammen, von der öffentlichen Meinung und der political correctness. Oder sind das eher Schatten, Mangel an Licht? Jedenfalls kann man sich ihnen kaum entziehen und reflektiert sie unbewusst in sein Umfeld. Deshalb ist die Frage wichtig: In welchem Licht stehst du? Wo sind deine Stars?

Johannes bezeugt das „wahre Licht“ öffentlich und freimütig. Er stellt sein Licht, Jesus und sein Evangelium, nicht unter den Scheffel. Deshalb ist er zum Märtyrer (= Zeugen) des Lichtes geworden. Als solcher ist er ein leuchtendes Beispiel, Vorläufer auf Weihnachten zu. 

Allmächtiger Gott,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden,
um uns mit dem Glanz deines Lichtes zu erfüllen.
Gib, dass in unseren Werken widerstrahlt,
was durch den Glauben in unserem Herzen leuchtet. (Liturgie an Weihnachten)

P. J. Gregur

 

 

Masken...

Freitag, 04 Dezember 2020

Masken...

…sind seit einigen Monaten selbstverständlicher Teil unseres Alltags. Was zuvor höchstens an Fasching erlaubt war, ist in Pandemiezeiten bitterer Ernst geworden. Aber nicht nur der Körper kann dadurch vor unsichtbaren Bedrohungen geschützt werden. Im übertragenen Sinne legt sich auch die Seele so manche Maske zu, um sich gegen Ängste und Gefahren abzusichern. Wie es mir wirklich geht, bleibt meinen Mitmenschen deshalb oft verborgen. Davon weiß auch das Buch der Sprichwörter in der Bibel:

Das Herz allein kennt seinen Kummer, /

auch in seine Freude mischt sich kein Fremder.

Das Haus der Frevler wird zertrümmert, /

das Zelt der Redlichen gedeiht.

Manch einem scheint sein Weg der rechte, /

aber am Ende sind es Wege des Todes.

Auch beim Lachen kann ein Herz leiden, /

das Ende der Freude ist Gram.

Der Untreue sättigt sich von seinen Wegen, /

der gute Mensch von dem, was in ihm ist. (Spr 14,10-14)

 

So sehr Verkleidung und Verstellung im Alltag nützlich sein mögen: Tief in meinem Herzen lebt die Sehnsucht nach einem Freiraum, in dem ich alle aufgesetzten Masken ablegen kann. Ich möchte mich selbst so sehen und von anderen so wahrgenommen werden, wie ich wirklich bin. Als gläubiger Mensch vertraue ich darauf, dass ein unendlich gütiges Wesen mich mit seinen liebenden Augen wahrnimmt und wertschätzt. Davon getragen darf ich meine größte Freude und meinen schwersten Kummer zur Sprache bringen. Vielleicht kann ich eine solche Demaskierung meines Herzens mit den Worten des niederländischen Dichters Huub Oosterhuis beginnen:

 

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.                  Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.

Wer mich entlarvt hat, wird mich finden.                  Wer sich entlarvt sieht, wird gefunden

Ich hab´ Gesichter, mehr als zwei,                            und wird ganz neu sich selbst verstehn,

Augen, die tasten vor im Blinden,                              wird leben, offen, unumwunden,

Herzen aus Angst, die vor Angst vergehn.                 und nirgends hin verloren gehn.

Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.                  Leg mein Gesicht frei, mach mich schön.

 

Martin Blay

Advent

Freitag, 27 November 2020

Advent

Wieder da, der Advent, die Zeit der Erwartung und Wachsamkeit. Aber was wird erwartet? Weihnachten? Ok, Kinder freuen sich auf solche Spielchen: Christkind kommt, bringt Geschenke. Die Erwachsenen sollten aber wissen, – so die Prediger mit dem moralischen Zeigefinger – dass Jesus das eigentliche Geschenk von Weihnachten ist. Nur ist Jesus schon vor zweitausend Jahren gekommen. Muss man jedes Jahr von neuem so tun, als ob er am 25. Dez. wiederkäme und erwartet werden müsste; theologisch wohl etwas zu einfach gestrickt?

Was die Theologen immer haben! – Die adventliche Stimmung ist trotzdem schön: die behagliche Bude bei klirrender Kälte draußen, Glühwein und Plätzchen bei Freunden; vielleicht auch eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier (ach ja, die fallen dieses Jahr aus!) oder vielleicht sogar eine Roratemesse bei Kerzenlicht.

Gegenrede, wieder theologisch: Hat das wirklich was mit Gott, mit der Wachsamkeit zu tun, mit dem Auf-dem-Sprung-sein, mit dem Blick in die Lebenstiefen, christlich: mit Kreuz und Auferstehung, mit den Armen und Hungernden, jenen ohne Dach über dem Kopf, die von Krankheit gequält dem Tod ins Auge schauen?

Vorweihnachtliche Gemütlichkeit oder der Ernstfall des Lebens – was ist nun der wahre Sinn des Advents? – Tatsächlich ist für Jesus dann Advent, wenn „die Mächte des Himmels“ durcheinandergeraten, wenn der Boden unter den Füßen schwankt, wenn alles Geordnete nicht mehr gilt, wenn alle Sicherheiten wegfallen und Gott der einzige Rettungsanker ist.

 Mich beeindruckte die seltsame Erfahrung eines Mannes im Luftschutzkeller von Berlin am Ende des 2. Weltkrieges: Zunächst fühlte er sich bei aller Angst dort, in Gemeinschaft mit anderen, irgendwie sicher. Als aber die Wände des Kellers unter Bombenhagel zu bersten drohten und der Putz flog, wo es also sicher dem Ende entgegenging, da wandelte sich die Todesangst in einen seltsamen inneren Frieden, eine bisher nie gekannte Ergebenheit. War das ein adventlicher Augenblick?

Seid wachsam, sagt Jesus. Nicht in der Ich-Zentriertheit des Wohlgefühls, sondern in der Dezentriertheit des Ego auf das Große und Ganze, auf Gott hin. Denn sein Kommen muss das Gewohnte aufbrechen, um Neues möglich zu machen.

An diese Dialektik erinnert der Advent in seinem ersten Teil, bis zum 17. Dezember. Da geht es durchaus in erster Linie um das endzeitliche Kommen des Herrn, das allem Geknechteten, Zu-kurz-Gekommenen und Duldenden Recht verschaffen wird. Eine ernste Zeit also (deshalb das Violett in der Kirche und kein Gloria). Ab dem 17. Dezember dann, dem zweiten Teil des Advents (O-Antiphonen), kommt dazu die Vorfreude und die nähere Vorbereitung aufs Weihnachtsfest. Spätestens da könnte, sollte man neben Plätzchen und Weihnachtsbaum auch an das innere Aufräumen denken. Unter Umständen mit einem Lebens- oder Beichtgespräch.

Also doch irgendwie sauertöpfisch das Ganze, zumal bei Menschen im Saft des Lebens? – Nein, denn zumindest bei Jesus geht es niemals um eine Verkürzung der Lebensfreude, er warnt nur vor kurzen Abstechern und ‚breiten Wegen‘ (Mt 7,13). Wer die Zeit des reifenden Wartens nicht erträgt (quasi die Weihnachtsstimmung schon im Oktober haben will), kommt auch am Fest kaum auf seine Kosten.

Insofern ist Warten nicht nur etwas für kindliche Gemüter, um die Konsumspannung zu erhöhen. Warten ist vielmehr eine Chance zur Klärung der eigenen Standpunkte, Beziehungen und Bedürfnisse. Die vielleicht Gott im Wege stehen. Dazu kann dann auch eine Verklärung des Advents zur „staden“ Zeit in romantischer Candlelight-Stimmung durchaus etwas beitragen.

P. J. Gregur

'Offizielles' Gebet

Donnerstag, 12 November 2020

'Offizielles' Gebet

Es gibt viele schmucke Abzeichen,  aber nur ein Vereinswappen, und viele unterschiedliche Ländersymbole, aber nur eine Nationalfahne; und es gibt viele Gesänge, aber nur ein Deutschlandlied, die Nationalhymne. Sie ist wichtig, unveränderlich, ‚sakrosankt‘, Symbol, das die Identität einer Gemeinschaft repräsentiert. Entehrt oder zerstört man solche Symbole, um den Gegner ins Herz zu treffen, so kann das Kriege auslösen.

Wie der Staat offizielle Symbole und Veranstaltungen kennt, so gibt es auch in der Kirche identitätsstiftende Zusammenkünfte, Bauten, Bilder und Symbole, liturgische Geräte und gottesdienstliche Kleidung. Vieles Schmucke und Wertvolle davon wird in privater Initiative auf die Beine gestellt, je nach Gusto. Dazu zählen auch die unterschiedlichen, nicht offiziellen Gebetsformen und Feiern wie Frühschicht, Taizegebet, Nightfever. Daneben gibt es aber auch die sog. die offizielle Liturgie, mit der Eucharistiefeier und den Sakramenten im Zentrum, rituelle Standards, die für alle verbindlich sind. Weniger bekannt ist vielleicht, dass dazu auch das Stundengebet zählt. Man meint das Stundengebet sei nur etwas für Kleriker und Ordensleute, sie müssten ihr ‚Brevier‘ brav beten. Und da man unter Gebet etwas rein Persönliches versteht, verrichteten es früher viele von ihnen rein privat, für sich im stillen Kämmerlein. Dabei ist es, wie die Hl. Messe, ebenfalls eine offizielle Feier der Kirche, die das Zusammenkommen in der Gemeinschaft voraussetzt. Deshalb ermuntert das 2. Vatikanische Konzil alle zur Feier der Tagzeitenliturgie, wie man das Stundengebet heute nennt. Denn alle sind Kirche.

Aus diesem Grund beten – nein, feiern! – wir in der Kapelle mittwochs um 19 Uhr die Vesper (Abendlob) und täglich mittags (Montag bis Freitag) die Sext (Mittagsgebet). Feiern heißt: wir singen sie, denn der Gesang enthebt uns dem Alltag und ist eine Sache der Liebenden. Die offizielle Liturgie läuft freilich – weil Symbol – nach dem vorgegebenen Schema ab. Aber wie die Nationalhymne alle Deutschen unter einer Melodie und dem einen offiziellen Text verbindet, so nehmen wir die formale Verbindlichkeit der Vesper – mit dem Hymnus, den Psalmen, den Cantica usw. – nicht als ein lästiges Korsett wahr, sondern als eine Vor-Gabe, die uns über alle Zeiten und Grenzen hinweg gemeinschaftlich verbindet („Lied, das die Welt umkreist“).

Herzliche Einladung dazu! Jeden Mittwoch um 19 Uhr in der KHG-Kapelle

P. J. Gregur

Dummheit & Weisheit

Donnerstag, 05 November 2020

Dummheit & Weisheit

Ehrlich gesagt, ich hatte irgendwie immer schon Sympathien für die fünf ‚Dummen‘, die das Öl für ihre Lampen vergessen haben. Oder ist es einfach eine Schwäche für Menschen, die sich ungeschickt anstellen? Bloß, weil sie einmal unachtsam waren, schloss man ihnen die Tür vor der Nase zu!

Aber Jesus geht es mit der Parabel von den zehn Jungfrauen, die im kommenden Sonntagsevangelium verkündet wird, nicht um Details oder menschliche Höflichkeiten und Gepflogenheiten. Worum aber dann? Ich stelle mir ein Feuerwehrauto vor, dessen Tank beim fälligen Einsatz leer ist. Dümmer ging’s nicht. „Seid also wachsam!“ – meint Jesus! Bereit sein, darum geht es.

Dummheit, wie das Evangelium sie einigen Jungfrauen unterstellt, ist nicht der Gegensatz zur Begabung im Rechnen, Lernen und dem gescheiten (Daher-)Reden. Es ist Mangel an Weisheit (von der in der Lesung die Rede ist). Weise wird man nicht über Nacht, man kann die Weisheit nicht auf die Prüfung hin lernen. Weisheit lernt man durch Erfahrung, Kommunikation, Achtsamkeit, Rücksicht, am meisten vielleicht durch schwierige Situationen, auch durch Leid. Menschen, die viel ertragen, erdulden, zurückgesetzt werden, die ihre Zeit für andere und die ‚gute Sache‘ opfern, sie lernen eher Weisheit als die sog. Erfolgreichen. Und die auf diese Weise ‚Armen‘ sind es dann am ehesten, die in der „Torheit des Kreuzes“ die Weisheit Gottes erkennen. „Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ So Paulus an die Korinther (1 Kor 1,22-24).

Langen Atem haben, den Tank rechtzeitig füllen (beten!), das Leben als Ganzes überblicken, Gottes Weisheit d.h. Jesus integrieren, und von da aus den Augenblick bewerten, das ist, denke ich, weise. Die fünf ohne Öl in ihren Lampen stehen für Menschen, die gedankenlos in den Tag leben. - Nehme ich das Evangelium eigentlich ernst, wenn ich mit ihnen Mitleid habe?

 P. J. Gregur

 

Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben

Freitag, 23 Oktober 2020

Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben

An Allerheiligen und beim Besuch des Friedhofs rückt der Tod wieder näher an uns heran. Und damit auch die Fragen, die uns immer wieder quälen, mit Schmerz erfüllen und oft unbeantwortet bleiben. Wieso musste dieser Mensch schon aus unserer Mitte gehen? Wieso lässt Gott so viel Leid zu?

Dabei ist für mich wichtig, dass ich nicht allein bin in dieser Situation. Fulbert Steffensky hat es mal passend formuliert: „Ich benutze die Sprache meiner lebenden und toten Geschwister, und ich benutze damit auch ihren Glauben.“ Wenn wir Gebete sprechen oder Erzählungen aus der Bibel lesen, dann glauben wir nicht in erster Linie „etwas“, sondern wir glauben den Menschen, die sie uns überliefert haben. Diese Zeugen der Hoffnung sind Propheten, Jesus, Jüngerinnen und Jünger, Heilige aber vor allen Dingen auch Leute wie du und ich.
Väter, Mütter, Großeltern, Freunde und Fremde haben über all die Jahre die Botschaft der Freude und Hoffnung weitergegeben. Überlege doch mal, wer für dich so ein „Zeuge der Hoffnung“ war, der dir von Gott und Glauben erzählt hat.
Auch wir sind nun Teil dieser Überlieferungskette.

Steffensky sagt weiter: „Die Toten drängen mich, an Gott zu glauben. Die Opfer fordern Versprechungen, die größer sind, als mein Herz wissen und vertreten kann. Da ich niemanden Opfer sein lassen will, nicht einmal mich selber, rufe ich: Gott wird die Toten nicht vergessen.“
Im Vertrauen an all die Menschen, die uns vorausgegangen sind und der Zusage Gottes geglaubt  und diese weitergegeben haben, dürfen wir uns einreihen.

Es ist nicht immer leicht, oft kommen auch mir Zweifel. Doch der Glaube an eine Gerechtigkeit, die unser Denken übersteigt, bekräftigt mich an ein Leben nach dem Tod zu glauben und mich ebenso im hier und jetzt für eine bessere Welt einzusetzen. Es kann ja nicht sein, dass die Tyrannen dieser Erde, die Unterdrückung und der Tod das letzte Wort haben.

Das Vertrauen auf Gott und das Bewusstwerden ein Teil einer großen Gemeinschaft zu sein, kann immer wieder Mut schenken - und Sätze, die von Generation an Generation weitergegeben wurden:
„Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,4)

 

Michael Rösch

Gott lieben - wie geht das?

Freitag, 23 Oktober 2020

Gott lieben - wie geht das?

Ein Werktag. Ich gehe in die Kirche, um die Abendmesse zu feiern, zu der sich überwiegend ältere Menschen einfinden. Heute sehe ich auch einige jüngere. Nur, sie kommen nicht in die Kirche, sie eilen an ihr vorbei. Wohin des Weges?, frage ich, die ich vom Sehen her kenne. Wir haben Pfarrgemeinderatssitzung, so die engagiert-unschuldige Antwort. – Die Szene ist mir in Erinnerung geblieben. Und kommt mir erneut in den Sinn, wenn ich im Sonntagsevangelium lese: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken.“ (Mt 22,37) Das ist das erste Gebot, sagt Jesus, fügt freilich das zweite als ebenbürtig hinzu: den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Zurück zum Pfarrgemeinderat und den Messbesucherinnen: Das engagierte Zusammenkommen des Pfarrgemeinderats während der Liturgie geht wohl auf die Nächstenliebe zurück: Für das Wohl der Pfarrei zu sorgen. Das ist uns – gottlob – in Fleisch und Blut übergegangen: Helfen, Zeit haben, trösten, Schöpfung bewahren, für Gerechtigkeit einstehen, die Diakonie planen, der Gesellschaft nützen. Fast in jeder Predigt hört man davon. Aber wie man Gott lieben soll, darüber wird wenig geredet. Dabei ist das das erste Gebot.

Gott lieben, wie geht das also? – Schwierig, weil man Gott nicht sieht, nicht spürt, ihn nicht anfassen kann, weil er oft ganz der Ferne ist. Als würde jemand sagen: Du sollst den Staatspräsidenten oder den Papst lieben. Kann man überhaupt Liebe befehlen?

Vielleicht helfen uns die, die zum Gottesdienst gekommen sind. Zunächst zum Rosenkranz vielleicht und dann zur Heiligen Messe. Was tun sie eigentlich für die Pfarrei und Gesellschaft Nützliches? Beten, dass die Arbeit gelingt oder der liebe Gott dafür seinen Segen gibt? Das tut er ohnehin, zumal wenn es um die Nächstenliebe geht. So zu denken, wäre schon wieder eine Funktionalisierung des Christlichen. Nein, sie kommen als Freunde Gottes, die seine Größe bekennen und loben wollen, die seine Liebe preisen, die Beziehung zu ihm pflegen, zweckfrei und selbstlos. Freundschaft plant man nicht, sie lebt man. Die Liebe ist nicht nützlich, sie ist Kraftquelle. Und sie braucht Zeichen, Zeiten und Orte, um zu erblühen, damit daraus Früchte der Nächstenliebe reifen. Dabei nicht zu vergessen: Gott braucht unsere Liebe nicht: „Du bedarfst nicht unseres Lobes, … unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren. Doch uns bringt es Segen und Heil“ (4. Werktagspräfation). Denn nur Liebende haben Kraft, über sich hinauszuwachsen, Großes zu leisten.

Zwei Gruppen ein- und derselben Pfarrei, jede in ihre Richtung: die einen zur Sitzung, die anderen zum Gottesdienst. Die einen dem Gebot der Nächstenliebe folgend, die anderen der Gottesliebe. Beides ist gleich wichtig, sagt Jesus. Und es geht das eine nicht ohne das andere. So lag mir damals das Wort auf der Lippe: Aber wieso zur Sitzung während des Gottesdienstes? Ich hab’s nicht gesagt, um die Gefühle nicht zu verletzten. Aber zu bedenken ist es allemal. Denn das zweite Gebot resultiert aus dem ersten.

P. J. Gregur

All my friends are heathens...

Donnerstag, 15 Oktober 2020

All my friends are heathens...

Welches Glaubenszeugnis heute gefragt ist

All my friends are heathens, take it slow
Wait for them to ask you who you know
Please don't make any sudden moves
You don't know the half of the abuse

Diese Zeilen stammen aus dem Lied Heathens (dt. Heiden) des US-amerikanischen Duos Twenty One Pilots. Es ist der Soundtrack zum Kinofilm Suicide Squad, der 2016 in den Kinos lief. Sechs Schwerverbrecher und gestörte Persönlichkeiten müssen sich zusammenfinden, um die Welt zu retten. Ihrem Verhalten nach würden wir sie kaum als vorbildliche Christen bezeichnen - eher als Gottlose, als "Heiden".

Tyler Joseph blickt tiefer in die Personen, wenn er im Lied über die "Heiden" spricht. Es geht ihm nicht um eine Abwertung und Abgrenzung der Guten von den Bösen, der Gläubigen von den Ungläubigen oder den Kirchgängern von den Nichtkirchgängern. „Heiden“ sind für ihn alle Menschen, die auf irgendeine Weise an der Welt zerbrochen sind oder verletzt wurden und so den Glauben an bessere Zeiten verloren haben.(1)

Resignierte, schwache und verwundete Menschen finden sich auf beiden Seiten des Kirchenportals. Wir wissen nicht, welche Lebensumstände und Schicksalsschläge sie zu "Heiden" gemacht hat.

Wait for them to ask you who you know vs. Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern. (Mt 28,19) ???

Manche beklagen, die Kirche habe an Strahlkraft verloren, weil ihre Vertreter selbst zu schwach im Glaubenszeugnis sind und mit zu wenig Gewissheit, Stärke und Eifer über Gott sprechen. Zum einen ist richtig: "Wer andere entzünden will, muss selbst brennen." (Augustinus zugeschrieben) – aber ist es richtig daraus zu schließen: Wer andere nicht (sofort) entzündet, brennt zu wenig?

Die Verkündigung des Evangeliums funktioniert nicht wie Werbung, die sich bei jeder Möglichkeit in unser Leben drängt. Überzeugt ein über jeden Zweifel erhabener Glaube? Überzeugt die Antwort, die eine Welterklärung gibt, ohne dass nach ihr gefragt wurde?

Was überzeugt, das sind Christinnen und Christen, die im gewöhnlichen Alltag mitten unter den "Heiden" leben;
- die zuerst den anderen verstehen wollen, bevor sie mit ihrer Botschaft verstanden werden;
- die selbst durch mühsame und dunkle Wegstrecken, mit ihren Fragen und Zweifeln darum kämpfen, ein bisschen mehr zu glauben als zu zweifeln;
- die um Worte ringen in einer leidgeprüften Welt und dabei beten "Ich glaube, hilf meinem Unglauben!" (Mk 9,24);
- die ihren Glauben und ihre Hoffnung sichtbar machen im absichtslosen Einsatz für andere. Sie werden von den "Heiden" gesehen und dann gefragt werden, wen sie kennen: Jesus Christus.

 Dennis Nguyen

Unser Leben sei ein Fest

Freitag, 09 Oktober 2020

Unser Leben sei ein Fest

„Unser Leben sei ein Fest“

So beginnt ein bekanntes neues geistliches Lied. Und verlangt Unmögliches. Lieder können es sich jedoch leisten, romantisch zu träumen: „Licht im Dunkeln, Licht für die Welt, ein Kind, ein Traum, ein Weg“, „Du schenkst uns die Freude, die Nacht ist vorbei“, „Gott, in deinen Händen wünsch ich mir mein Haus“, „Nada te turbe“ etc (Liederbbuch „God for You(th)“). Die Alltag sieht oft anders aus.

Aber darf man deshalb nicht träumen, sich eine bessere Welt vorstellen? Wenn nicht, dann könnte man auch keine Feste feiern. Eine Hochzeitsfeier ist auch eine ‚Vorspiegelung falscher Tatsachen‘ ("Himmel voller Geigen"): Zwei schwören sich auf einen langen gemeinsamen Lebensweg, obwohl erfahrungsgemäß Richtungskämpfe vorprogrammiert sind.

Aber eine Feier ist nicht Ausdruck der prosaischen Lebenswirklichkeit, sondern die Verheißung einer besseren. Als solche durchbricht die Feier den Alltag und hilft, ihn zu bestehen. Feiern sind kein Sahnehäubchen auf dem Kuchen, sondern der Geschmackgeber für das Ganze, Bojen im Meer, die Orientierung geben. Wie die Lieder, sind sie vor allem keine Kopf-, sondern eine Herzens-Angelegenheit. Man denkt bei der Hochzeit nicht über die möglichen Eheschwierigkeiten, man feiert nicht das (Un-)Vernünftige, sondern das Schöne einer Beziehung.

Auch bei der Feier der Gottesdienste ist es so. Nur dass hier nicht die brüchige Treue der Menschen zueinander, sondern die zuverlässige Beziehung Gottes zu den Menschen gefeiert wird. So sind von ihm aus die Verheißungen des kommenden Sonntags vom „Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen“ (Jes 25,6), kein Wunsch-, sondern ein Realtraum. Die reelle Basis dafür bilden der Tod und die Auferstehung Jesu Christi, die wir sonntäglich in der Heiligen Messe feiern. Die Eucharistiefeier ist das Realsymbol des Festmahls, das Gott am Ende für alle Völker bereiten wird. Sie verpflichtet und gibt Kraft, sie unter den Mitmenschen zu bewerben, zur Hochzeitsfeier des Lammes einzuladen. „Was er uns gibt, das gibt er für alle, damit wir es teilen mit allen Menschen. So sind wir Freunde an seinem Tisch“ (GfY 128).

Lob der Schöpfung

Samstag, 03 Oktober 2020

Lob der Schöpfung

Lob der Schöpfung - Franz von Assisi

Am 4. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Heuer fällt dieser Tag mit dem Erntedankfest zusammen, an dem der Schöpfung gedacht wird. Ein guter Zufall, denn Franziskus ist bekannt für seinen „Gesang auf die Schöpfung“, den Sonnengesang. Bewahrung der Schöpfung ist gegenwärtig eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Auch in kirchlichen Kreisen wurde sie als eines der Ideale christlichen Handelns erkannt (man höre das Hirtenwort des Augsburger Bischofs Betram).

Als Christ wird man sich allerdings vorsehen, Franziskus romantisch zu verniedlichen, etwa nach dem Motto: Franz fand die Natur in ihrem Eigenwert ganz toll, im Gegensatz zu einer Zeit, die die Erde um des Himmelreiches willen geringachtete. Nichts dergleichen; sein Gesang ist theo-logisch, auf das Verhältnis zwischen Gott und seiner Schöpfung bezogen. Zu Beginn des Sonnengesangs wird das deutlich: „Höchster, allmächtiger, guter Herr, dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.“ Dann folgt die Aufzählung der kosmischen ‚Geschwister‘, die dieses Lob realisieren, Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer.

Es geht also nicht um die Natur an sich, sondern um das Lob Gottes; und zwar zunächst mit einem höchst merkwürdigen Gedanken, dass nämlich Gott selbst „Lob“ ist. Daher kann er allein sich selbst gebührend loben: „dein ist das Lob“. Kein Mensch ist in der Lage, seine Lobwürdigkeit angemessen auszudrücken („ist würdig“). Zumal der Mensch sich prinzipiell immer wieder selbst an Gottes Stelle positioniert, selbst ‚gelobt‘ sein will (Erbsünde). Im Gegensatz zur Natur; sie will nichts, ist daher rein, unschuldig; sie lebt das aus, was ihr wesentlich bzw. von Gott ins Stammbuch geschrieben ist: in ihrem schlichten Da-sein, Gottes Ursprünglichkeit und Schönheit abzubilden und ihn so zu loben. „Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes“ (Ps. 19). Nur in dieser Eigenschaft, als Abbild der Schönheit und Weisheit Gottes ist auch sie lob-würdig und eine Schwester des Franziskus. Sein Sonnengesang ist nicht ein „Loblied auf die Schöpfung“, sondern ein Lob Gottes mit der Schöpfung oder aufgrund der Schöpfung.

Die Ökologie, die gegenwärtig in aller Munde ist, auch in der christlichen Sozialethik, kann nach Franziskus nur Gott-bezogen begründet werden. Naturverklärendes Engagement für die Umwelt fällt früher oder später dem Pragmatismus, dem Nützlichkeitsstreben des Menschen zum Opfer. Nur wenn die Natur als Schwester und Bruder im Konzert des kosmischen Lobes Gottes begriffen wird, wird sie in ihrer unantastbaren, in Gott gründenden Würde erkannt, anerkannt und dann – hoffentlich – auch bewahrt.

P. Josip Gregur SDB

 

 

 

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