Wozu der Leib?

Freitag, 20 Mai 2022

Wozu der Leib?

Es gibt in der KHG Augsburg den Versuch eines neuen Gesprächsformats: „Was glaubst du?“ Es findet zweiwöchentlich am Mittwochabend statt. Die Studierenden tauschen sich über ein möglichst interessantes Thema aus. Letzten Mittwoch ging es um die Frage: Wozu brauchen wir den Körper bzw. den Leib, der so störungsanfällig ist und uns oft nur Probleme macht? Warum sind wir nicht nur Geist? – Ein komplexes Thema.

Zur Sprache kam, dass ohne Leib keine sinnliche Erfahrung möglich wäre; nicht nur, dass man als Geist nicht riechen und schmecken könnte, auch beten ginge dann nicht. Aber was ist mit den reinen Geistern, den Engeln? Beten die nicht? Vielleicht beten sie nicht, aber schauend anbeten. Man fragte sich weiter: Was für einen Leib hat Jesus nach der Auferstehung und welchen werden wir nach dem Tod haben? Einen verklärten, einen Licht-Leib, wie er in den Nahtoderfahrungen vielfach bezeugt wird? Das Phänomen der Nahtod- bzw. außerkörperlichen Erfahrung ließ das grundsätzliche Leib-Geist-Problem aufkommen: Ist unser Gehirn der Sitz des Bewusstseins oder nur sein Transmitter?

Fragen über Fragen. Mir kam zum Schluss der Gedanke, dass Gott uns als leibliche Wesen wollte, damit wir die Hingabe üben. Wie? Als rein geistliche Wesen würden wir vielleicht nicht von unserem stolzen Ich loskommen, das der Liebe zu Gott und dem Nächsten im Weg ist. Die Störanfälligkeit des Körpers macht uns offen und bescheiden, lehrt, von uns loszulassen und Gott als Geber des (ewigen) Lebens wahrzunehmen und anzuerkennen. Das Loslassen des Sterblichen führt uns zur Freiheit der Kinder Gottes. Das ist jeden Tag. Spätestens im Tod, wo er das Leibliche ganz aufgeben muss, lernt der Mensch den ‚Gehorsam‘, mit dem auch Jesus am Kreuz dem Vater die höchste Ehre gegeben hat: Nicht mein Wille, sondern der deine geschehe.

Einen gesegneten Sonntag!

P. J. Gregur