We are the champions! – Osteroktav

Freitag, 22 April 2022

We are the champions! – Osteroktav

Während meines Romaufenthaltes vor Jahren hat der Fußballklub Roma die italienische Meisterschaft gewonnen. Der Stadtbus, mit dem man sonst sein Ziel in wenigen Minuten erreichte, brauchte an diesem Sonntag fast eine Stunde. Hupende Autos, aus denen sich die Fans in südlicher Manier die Kehle heiser schrien, verstopften die Straßen: Campioni d’Italia siamo noi! Aber das war nur der Anfang. Eine Woche lang kamen Jung und Alt gegen Abend feiernd auf den Plätzen zusammen. Der krönende Abschluss war acht Tage darauf: Eine Million Menschen drängten sich auf dem Circus Maximus zusammen, um ihren Idolen zuzujubeln. Es wurde augenscheinlich, was mit einer Oktav (acht) gemeint ist: Für einen überragenden Anlass reicht ein Tag der Freude nicht aus.

Fußballfans jubeln auch bei uns aus voller Kehle, ihre Gesänge sind nicht nur aus dem Stadion zu hören. Dabei geht es nur um einen Sieg über den Rivalen aus der Nachbarstadt. Für den Sieg Jesu Christi über den Tod und die entsprechende Osterfreude hat die Liturgie der Kirche ebenfalls eine Woche, die Osteroktav, ja 50 Tage der Osterzeit vorgesehen. Nur: Jubelgesänge hörst du keine, selbst in der Kirche öffnet sich der Mund der Christen nur zögernd zum österlichen Halleluja. Der Grund? Vielleicht der Zweifel des Apostels Thomas, der als zäher Widersacher der Begeisterung in uns allen steckt: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh 20,25). Thomas war ursprünglich nicht dabei, so tut es sich jetzt mit dem Glauben schwer.

Das Dabeisein und die Stimmung im Stadion mitzuerleben, wäre wahrscheinlich ein Traum gewesen. Aber auch der Jubel der Römer hinterher hat bei mir Eindruck hinterlassen. Das heißt für die Glaubensweitergabe: Wie die gemeinschaftliche Begeisterung der Fans ein Fußballerlebnis ausmacht, ähnlich bringt der Enthusiasmus der Glaubenscommunity die Osterbotschaft so richtig unter die Leute. Insofern gibt Nietzsches Zarathustra zu denken: „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!“ Weil nicht die Lehre, sondern die Feier des Glaubens entscheidend ist, gibt es so etwas wie Osteroktav bzw. die fünfzig (Feier-)Tage bis Pfingsten – bzw. den Sonntag. Jeder Sonntag ist ein kleines Wochen-Ostern. – Wenn Du Dich mit Thomas‘ Zweifel nicht begnügen willst, feiere mit den ‚Fans‘ der Auferstehung Jesu den Sonntagsgottesdienst mit. Tut dem Glauben gut.

Und komm gut ins neue Semester!

P. J. Gregur