Unser Leben sei ein Fest

Freitag, 09 Oktober 2020

Unser Leben sei ein Fest

„Unser Leben sei ein Fest“

So beginnt ein bekanntes neues geistliches Lied. Und verlangt Unmögliches. Lieder können es sich jedoch leisten, romantisch zu träumen: „Licht im Dunkeln, Licht für die Welt, ein Kind, ein Traum, ein Weg“, „Du schenkst uns die Freude, die Nacht ist vorbei“, „Gott, in deinen Händen wünsch ich mir mein Haus“, „Nada te turbe“ etc (Liederbbuch „God for You(th)“). Die Alltag sieht oft anders aus.

Aber darf man deshalb nicht träumen, sich eine bessere Welt vorstellen? Wenn nicht, dann könnte man auch keine Feste feiern. Eine Hochzeitsfeier ist auch eine ‚Vorspiegelung falscher Tatsachen‘ ("Himmel voller Geigen"): Zwei schwören sich auf einen langen gemeinsamen Lebensweg, obwohl erfahrungsgemäß Richtungskämpfe vorprogrammiert sind.

Aber eine Feier ist nicht Ausdruck der prosaischen Lebenswirklichkeit, sondern die Verheißung einer besseren. Als solche durchbricht die Feier den Alltag und hilft, ihn zu bestehen. Feiern sind kein Sahnehäubchen auf dem Kuchen, sondern der Geschmackgeber für das Ganze, Bojen im Meer, die Orientierung geben. Wie die Lieder, sind sie vor allem keine Kopf-, sondern eine Herzens-Angelegenheit. Man denkt bei der Hochzeit nicht über die möglichen Eheschwierigkeiten, man feiert nicht das (Un-)Vernünftige, sondern das Schöne einer Beziehung.

Auch bei der Feier der Gottesdienste ist es so. Nur dass hier nicht die brüchige Treue der Menschen zueinander, sondern die zuverlässige Beziehung Gottes zu den Menschen gefeiert wird. So sind von ihm aus die Verheißungen des kommenden Sonntags vom „Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen“ (Jes 25,6), kein Wunsch-, sondern ein Realtraum. Die reelle Basis dafür bilden der Tod und die Auferstehung Jesu Christi, die wir sonntäglich in der Heiligen Messe feiern. Die Eucharistiefeier ist das Realsymbol des Festmahls, das Gott am Ende für alle Völker bereiten wird. Sie verpflichtet und gibt Kraft, sie unter den Mitmenschen zu bewerben, zur Hochzeitsfeier des Lammes einzuladen. „Was er uns gibt, das gibt er für alle, damit wir es teilen mit allen Menschen. So sind wir Freunde an seinem Tisch“ (GfY 128).