Sich bekennen

Freitag, 19 Juni 2020

Sich bekennen

Ein Satz von Jesus im Evangelium des 12. Sonntag im Jahreskreis spricht mich immer wieder besonders an. „Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“ (Mt 10, 32f). Und er gibt mir zu denken: Hat Jesus es nötig, dass ich ihn vor den Menschen herposaune? Religion ist doch Privatsache, wie einige sagen. Andererseits, was wäre das für ein Freund, der in seiner Clique nicht zu mir steht? Oder der beim Mobbing des Arbeitskollegen den Schwanz einzieht?

Jesus und Mobbing? Na klar: Er wurde ausgestoßen und vor den Stadttoren gekreuzigt. Und die sich zu ihm bekannt haben, die Jünger, später auch die Märtyrer (Zeugen), die hat man allesamt umgebracht. An erster Stelle den Petrus, der seinerzeit im Gerichtshof dreimal gesagt hat er kenne ihn nicht. Das hat er bitter bereut, in Rom sollte ihm das nicht nochmal passieren. Jetzt stand er zu seinem Meister und ließ sich kopfüber kreuzigen.

Wenn ich an den Straßenecken die Zeugen Jehovas mit ihrem „Wachturm“ sehe, steigt in mir – auch wenn ich ihre Ansichten nicht teile – ein Gefühl der Achtung auf. Würde ich mich für meinen Glauben den Blicken aussetzen? Hab ich doch schon Probleme, mich in der Mensa vor dem Essen zu bekreuzigen. An jene mag ich nicht mal denken, die im vorauseilenden Gehorsam (political correctness) das Kreuz in der Öffentlichkeit abhängen würden.

Man kommt bei Jesus immer wieder auf dasselbe: auf die Liebe. Wer liebt, der steht dazu. Jesus droht nicht mit dem zitierten Wort. Er sagt nur, dass die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht.

P. J. Gregur