Nächster

Freitag, 08 Juli 2022

Nächster

Über dem kommenden Sonntag steht die große Frage: Wer ist mein Nächster?

Jesus beantwortet sie nicht theoretisch, sondern praktisch, mit einer Geschichte: Zwei Kleriker gehen an einem unter die Räuber Gefallenen achtlos vorbei. Sonst wahrscheinlich gute Theoretiker der Nächstenliebe, aber in diesem konkreten Fall geht für sie der Gottesdienst dem Menschendienst vor.

Christliche Nächstenliebe ist aber Gottesdienst – wenn ich im Nächsten Jesus erblicke. Dann gibt es nichts Wichtigeres auf der Welt als diesen einen Menschen. Die Heiligen der Nächstenliebe wussten das, z. B. Mutter Teresa von Kalkutta. Sie konnte in den Slams für die Letzen der Letzen da sein, sie von der Straße aufsammeln, pflegen, und in den Tod begleiten; das Wort Jesu gab ihr Kraft: „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Sie schreibt: „Er machte sich selbst zum Hungrigen, Nackten und Heimatlosen, hungrig nicht nur nach Brot, sondern nach Liebe, nackt nicht nur ohne ein Stück Stoff, sondern nackt ohne menschliche Würde; heimatlos, nicht nur, weil er kein Heim hat, sondern heimatlos, weil er vergessen ist, ungeliebt, nicht umsorgt, für niemanden liebenswert.“

Die Achtsamkeit für den aktuellen Augenblick, die wir von der Psychohygiene her kennen, gilt auch als Antwort, wer mein Nächster ist: Der oder die, mit dem ich es gerade zu tun habe. – Wem schenke ich heute und in dieser Woche meine Aufmerksamkeit?

Gesegnete Woche!

J. Gregur