Maifeiertag

Freitag, 29 April 2022

Maifeiertag

 „Es reichen sich in Liebe die Hand,

vereinet zum Edelsten Streben,

die Arbeit der Werkstatt und vom Land,

im Kampf um ein besseres Leben.“

So heißt es in einer Strophe der „Parole des Proletariats“ auf der Titelseite des sozialdemokratischen Organs „Volksstimme“ vom 1. Mai 1901. Es war die Zeit, in der die soziale Frage auf den Nägeln brannte. Nicht nur bei den Sozialdemokraten. Auch der „Arbeiterpapst“ Leo XIII nahm sich 1891 der gesellschaftlichen Probleme in seiner Enzyklika Rerum novarum an. Sie gilt als Magna Carta bzw. einer der Grundtexte der Katholische Soziallehre. Was die Gedanken des Papstes allerdings von den Gedanken der Sozialisten unterscheidet, ist der Gottesbezug. In der Tat ist ohne Gott die menschliche Gerechtigkeit kaum wasserdicht. Warum sollte ein Arbeitgeber sich um die ‚Ressource Mensch‘ scheren, wenn er sie kapitalistisch ausbeuten kann und dafür vor niemand verantwortlich ist?

Um das Interesse am arbeitenden Menschen zu bekunden, legte die Kirche auf den ersten Mai, den „Kampftag der Arbeiterklasse“, den Gedenktag des hl. Josef, des Arbeiters. Hat er doch als Handwerker seine Familie ernährt. Leider hat man hierzulande eine Ausnahme erwirkt und feiert an diesem Tag die Patrona Bavariae. Nichts gegen Maria, wohlgemerkt! Aber ihr ist der ganze Monat Mai geweiht und wird, wieder woanders mehr als bei uns, mit schönen Maiandachten begangen.

In der Zeit, da die Schere zwischen Reich und Arm wieder auseinandergeht, wird die Frage der sozialen Gerechtigkeit immer brisanter. Es werden nicht nur die fremden Saisonarbeiter auf den Spargel- und Erdbeerfeldern ausgebeutet. Ein wirklich glaubender Unternehmer tut das allerdings nicht! Nur – wieviel von dem, was Jeus verkündet und für das Zusammensein der Menschen eingefordert hat, ist noch da? „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?“, so hat es Jesus selbst befürchtet (Lk 18,8). Jedenfalls haben sich viele unserer Heiligen aus dem Glauben heraus, nicht nur im 19. Jh., sozial engagiert. Und auch heute sind es vielfach Menschen des Glaubens, die unentgeltlich für andere einstehen.

Meint P. Gregur und grüßt euch herzlich zum Einstieg in den „wunderschönen Monat Mai“!