Liebe zum Detail

Freitag, 05 November 2021

Liebe zum Detail

 

Vor einigen Tagen hatten wir in der KHG die Tische für viele Gäste zu decken gehabt. 'Unsereiner' bekam schon im Noviziat (Vorbereitung fürs Ordensleben) die entsprechenden Regeln beigebracht: Gabel links, Messer rechts mit der Schneide nach innen, bündig mit dem Tellerrand etc. „Komm, so genau muss das nicht sein, das bemerkt eh keiner, ob das Messer so oder so daliegt“. Wir erwarten ja junge Leute und nicht irgendwelche überkandierte Ästheten.

 Da haben wir sie: die (Un-)Treue im Kleinen, die etwas von der Treue im Großen verraten mag, von der auch Jesus an diesem Samstag spricht: „Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen“ (Lk 16.10).

Was verrät die Zuverlässigkeit in kleinen Dingen, was ist das Große dahinter? Ich würde sagen: die Liebe! Die Liebe achtet auf das Detail und auf das Schöne. Denn die Liebe lebt von der Schönheit: Schön gedeckter Tisch, schön arrangierte Liturgie, liebevoll verpacktes Geschenk, sorgsam eingeübte Musik; sie wecken festliche Freude und Freude ist das Elixier des Lebens. Auch der kleine freundliche Gruß en passant kann große Wirkung entfalten, das Gegenüber aus der Tristesse der Anonymität lösen.

An der schönen Liturgie, übrigens, sieht man, wie die Leute glauben. Spulen sie sie nur irgendwie herunter, wird man ihnen nicht abnehmen, dass sie Gott und die Mitfeiernden besonders ernstnehmen. Investieren sie Zeit, wird man sich am Gottesdienst erbauen, auch wenn nicht alles perfekt gelingt. Das gilt wohl dann ebenso fürs Arrangement der Tafel, an der man Freunde erwartet.

Schönen Gruß zum Wochenende!

P. J. Gregur