Gruß

Freitag, 17 Dezember 2021

Gruß

Ist es nicht selbstverständlich, dass man grüßt? Wieso betont dann das Evangelium des kommenden Sonntags extra, dass Maria ihre Verwandte Elisabeth beim Besuch „begrüßte“? Was denn sonst, möchte man meinen, ist es doch mehr als selbstverständlich. – Bei Freunden und Bekannten schon. Sonst aber empfinden wir nichts dabei, achtlos aneinander vorbeizulaufen. Natürlich kann man in der Fußgängerzone nicht alle grüßen, das wäre eine Überforderung der Höflichkeit. Aber dort, wo weinige unterwegs sind? Beim Spaziergang im Wald zum Beispiel. Da kommt mir eine/r entgegen, mein Blick prüft, ob ich grüßen kann: Kein Interesse!

Andersherum freu ich mich. Denn Grüßen ist mehr als bloße Floskel. Man wird beachtet, wird an-gesehen, gar angesprochen; und wer möchte nicht ‚angesehen‘ sein? Nichtbeachtung kränkt, ‚kalte Schulter‘ ist verletzend. Die Beachtung hingegen kann einen ganzen Tag emotional heilen. Der Gruß bewegt immer etwas in der Tiefe, befördert das Lebensgefühl, induziert es und stärkt. Die Seele kommt ins Schwingen. Wie heißt es doch im Evangelium weiter: Als Elisabet den Gruß Marias hörte, „hüpfte das Kind  vor Freude“ in ihrem Leib.

So spielt der Gruß eigentlich in der Sphäre des Segens. Segnen heißt lateinisch benedicere, gut-sprechen: Es ist gut, dass es dich gibt und es wird gut sein, wenn es dich weiterhin gibt.

Sollten wir uns das nicht öfters sagen? Durch einen freundlichen Blick oder das einfache Guten Tag bzw. hierzulande: Griaß di!

Seid gegrüßt zum 4. Advent!

P. J. Gregur