Einfangen

Samstag, 25 Juli 2020

Einfangen

Fast jede App, die du öffnest, schiebt die Werbung aller Art hinten nach. Und mit jedem Update wird’s mehr. War sie anfangs nur fast verschämt am oberen und unteren Ende, nervt sie jetzt zunehmend mit ihrer Großflächigkeit und dem ewigen Nachladen. Alle sind dabei, Menschen für ihre Anliegen und Produkte zu fangen. Die Ideologien machen es, die Politik macht es, und in Zeiten der Massenmedien gibt es kaum eine Institution ohne Internetauftritt. Was nicht veröffentlicht ist, existiert nicht, heißt es. Das ist nichts Neues, auf andere Art und Weise war es immer so. Denn einerseits muss man auf sich aufmerksam machen und andererseits schmeichelt es, wenn man umworben wird.

Wenn Jesus im Evangelium das Reich Gottes mit einem Fischernetz vergleicht (Mt 13,47), dann geht es ebenfalls ums ‚Einfangen‘. Er sendet seine Apostel in die Welt mit dem Auftrag, alle zu seinen Jüngern zu machen (Mt 28,19). Man hat nichts gegen Werbung, die gute Sachen anbietet. Was nervt, ist, wenn sich hinter der schönen Fassade Schrott verbirgt. An jesuanischer Werbung ist gut, dass sie dir nicht aufdringlich Kram andrehen will. Im Benediktbeurer Alten Festsaal gibt es ein Deckenbild, das Jesus als Angler zeigt. An seine Angel hat er nicht den Wurm, sondern sein Herz gehängt. Das unterscheidet ihn von Verführern. Sie wollen dich mit einem Wiederhaken einfangen. Jesus hat weder auf das schöne Reden noch auf die trügerische Miene gesetzt, sondern auf die innere Substanz, auf die überzeugende Tat und eben – auf das Herz, die Liebe. Er will nicht, dass du noch mehr hast, sondern ein authentischer Mensch wirst. Was Zeit braucht. Das besagt das Gleichnis von der langsam wachsenden Saat oder vom Himmelreich, das wie ein im Acker verborgener Schatz auf Entdeckung wartet.

Bei einer App kannst du die Werbung nicht einfach wegklicken. Aber wie du hier auf die billige Masche nicht hereinfällst, so sei auch sonst bei Schaumschlägern und Possenreißern vorsichtig. Schau zweimal hin, versuch, hinter die Fassade zu blicken. Und das Wichtigste: Schau, ob dort die Liebe oder das pure Interesse hervorlugt.

Zur Unterscheidung der Geister ist die stressfreie Zeit gut, wo man wieder zu sich selbst kommt und klarer sieht, z. B. die Ferien. Gute Zeit und bis zum Herbst wieder! 

P. J. Gregur